Liebe Kolleginnen und Kollegen,
das Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums, bei uns Zahnärzten erstmalig einen sogenannten Fachzahnarztvorbehalt für Kieferorthopädie einzuführen, ist ein ganz klarer Versuch, unseren Berufsstand zu spalten. Die Erlaubnis zu umfassender Ausübung des zahnärztlichen Berufes – nichts anderes bedeutet der Begriff „Approbation“ – soll durch die Hintertür des Sozialgesetzbuches zerstückelt werden.
In dieser Entwertung der zahnärztlichen Approbation besteht die über den aktuellen Fall hinausgehende Bedeutung des malignen Planes. 74 Jahre nach Veröffentlichung des Zahnheilkundegesetzes wäre der damals von unseren Berufsvertretern erreichte historische Erfolg eines durch gesetzliche Definition geeinten Berufsstandes beschädigt.
Weitere Einschränkungen (bei der Chirurgie, der Parodontologie, der Endodontie…) wären nur eine Frage der Zeit. Machiavellis Prinzip des „Divide et impera“ ist auch mittelmäßigen Politikern wohl geläufig, die Schwächung von Widerstand durch Aufspaltung der betroffenen Gruppe ist gerade im Gesundheitswesen regelmäßig geübte Praxis.
Deshalb bin ich stolz darauf, wie unser Berufsstand in den vergangenen Wochen auf diese Bedrohung reagiert hat: Nach einer kurzen Schrecksekunde haben alle Beteiligten erkannt, dass eine Gefahr dieser Art nur durch Geschlossenheit abgewehrt werden kann. Das zynische Kalkül der Politik, wir würden übereinander herfallen, ging nicht auf.
Die Bundeszahnärztekammer hat gemeinsam und in enger Abstimmung mit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung eine Widerstandslinie aufgebaut. Der Berufsstand hat mit einer Stimme gesprochen. Die Betroffenen haben hochengagiert, aber eben ohne Gruppenegoismus, ihre Interessen vertreten.
Dieser Zusammenhalt muss die Arbeit der Berufspolitik insgesamt prägen. Es ist sonnenklar, dass eine kleinere Gruppe wie die Zahnärzte im Haifischbecken der Gesundheitspolitik nur dann überleben kann, wenn sie sich nicht aufspalten lässt.
Worte wie „Geschlossenheit“ oder „gemeinsam“ dürfen keine Leerformeln sein, denen das egoistische „aber“ und das trennende „nur wir können es“ auf dem Fuß folgen. Expertise und Engagement finden wir bei vielen Kolleginnen und Kollegen. Wir brauchen alle, die sich dem Kampf für die Zukunft unseres Berufes anschließen wollen.
Vor 74 Jahren endete mit dem Zahnheilkundegesetz die Spaltung des Berufsstandes in Zahnärzte und Dentisten. Halten wir auch weiter zusammen! Lassen wir uns nicht aufspalten. Weder in Fachgruppen noch nach Geschlechtern, weder in Selbstständige und Angestellte noch nach Berufsverbänden.
Divided we‘ll fall, so together we stand!
Herzlichst, Ihr
Dr. Dr. Frank Wohl
Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer