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„Tissue Engineering zielt darauf ab, biologisches Gewebe in den Wurzelkanal zurückzubringen …“

Prof. Dr. Matthias Widbiller vom Universitätsklinikum Regensburg im Interview über die Forschung auf dem Gebiet des Tissue Engineering in der Endodontie.

Herr Prof. Widbiller, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Auszeichnung mit dem Hochschulpreis der Zeitschrift Endodontie! Können Sie uns erläutern, wie Tissue-Engineering-Ansätze zur biologischen Regeneration des abgestorbenen Zahnnerven funktionieren und wie sie sich von der klassischen Wurzelkanalbehandlung unterscheiden?

Vielen herzlichen Dank für die Glückwünsche! Bei der klassischen Wurzelkanalbehandlung entfernen wir den entzündeten oder abgestorbenen Zahnnerv – korrekt als Zahnpulpa bezeichnet – und verschließen das gereinigte Wurzelkanalsystem mit synthetischen Materialien. Diese Methode ist äußerst erfolgreich, hat jedoch den Nachteil, dass die wichtigen Funktionen der Zahnpulpa verloren gehen. Dazu gehören unter anderem die Wahrnehmung von Temperaturreizen sowie das Wachstum der Zahnwurzel. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist dies problematisch, da ihre Zahnwurzeln ohne Pulpa oft zu kurz und dünnwandig bleiben, was sie anfälliger für Frakturen macht.

Tissue Engineering zielt darauf ab, biologisches Gewebe in den Wurzelkanal zurückzubringen, um die natürlichen Funktionen der Pulpa wiederherzustellen. Dazu nutzen wir Stammzellen, die in ein geeignetes Trägermaterial eingebettet und in den Wurzelkanal eingebracht werden. Ergänzt wird dies durch biologische Signalmoleküle, die die Geweberegeneration steuern. Im Idealfall entsteht so eine neue Zahnpulpa, die alle ursprünglichen Aufgaben übernehmen kann – von der Abwehr bakterieller Infektionen bis hin zur Unterstützung des Zahnwurzelwachstums.

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