Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Empfang für die Absolventen des Studiengangs Zahnmedizin der LMU (siehe Seite 9) hat in der KZVB Tradition. In Regensburg, Erlangen und Würzburg gibt es ähnliche Veranstaltungen. Beim letzten Empfang im Zahnärztehaus München habe ich junge Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die eine andere Biografie haben als ich und vermutlich auch die meisten von Ihnen.
Da war die ZFA mit Mittlerer Reife, die es durch Fort- und Weiterbildungen zur ZMP geschafft hat. Dadurch hatte sie auch die Hochschulzugangsberechtigung, der Weg zum Traumberuf war frei. Sie wird ihre Vorbereitungszeit in der gleichen Praxis absolvieren, in der sie die Ausbildung zur ZFA gemacht hat. Da war die gelernte Goldschmiedin, die das erste juristische Staatsexamen abgelegt hat, um dann festzustellen, dass ihr handwerkliches Arbeiten doch mehr liegt. Und da war der Krankenpfleger, der mehrere Jahre in der Neurochirurgie gearbeitet hat, aber nicht mehr mit der Diagnose „unheilbar“ konfrontiert werden wollte. Diese drei jungen Menschen haben sich sehr bewusst für das Studium der Zahnmedizin entschieden und sie brennen für diesen Beruf.
Mehrere der rund 20 Absolventen, die unserer Einladung gefolgt waren, können sich die Gründung oder Übernahme einer Praxis vorstellen. Ist das schon das berühmte Licht am Ende des Tunnels? Es bleibt abzuwarten, ob das auch bei künftigen Jahrgängen so sein wird. Für mich aber ist klar: Ein Weg zur Steigerung der Niederlassungsbereitschaft ist die Hochschulzugangsberechtigung. Es war falsch, diese allein an den Numerus Clausus zu knüpfen, wenn es gleichzeitig die Möglichkeit der Anstellung gibt. Wir brauchen auch Unternehmer-Zahnärzte! Seiteneinsteiger sind in dieser Hinsicht eine Bereicherung für unseren Berufsstand. Ich meine, wir sollten – wie in der Humanmedizin – auch über eine Landzahnarztquote nachdenken. Sie könnte dazu beitragen, das Praxissterben im ländlichen Raum zu stoppen.
Ihr Dr. Jens Kober
Mitglied des Vorstands der KZVB