BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl und Dr. Alexander Hartmann vom GOZ-Senat veranschaulichten, wie Honorare individuell kalkuliert und gegenüber den Patienten transparent dargestellt werden müssen, damit die Praxis trotz Inflation wirtschaftlich tragfähig bleibt.
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Praxis, Politik, Perspektiven

„BLZK campus“: Praxiswissen und berufspolitischer Austausch auf den infotagen FACHDENTAL

Auf den infotagen FACHDENTAL am 13. und 14. März in München präsentierte die Bayerische Landeszahnärztekammer mit dem „BLZK campus“ ein kompaktes Fortbildungsprogramm für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Zwei Tage standen praxisnahe Informationen, berufspolitische Themen und anregender Austausch im Mittelpunkt. Publikumsmagnete waren die Diskussionsrunden: ein „Stammtisch“ mit Focus-Gründer Helmut Markwort zur Zukunft der freiberuflichen Zahnarztpraxis und eine Talkrunde rund um stressfreie Praxisführung.

Zum Auftakt am Freitag lag der Schwerpunkt auf wirtschaftlichen Fragen. Dr. Dr. Frank Wohl, Präsident der BLZK, erläuterte gemeinsam mit dem Autor der GOZ-Kalkulationstabelle Dr. Alexander Hartmann, wie sich Honorare wirtschaftlich kalkulieren und gleichzeitig transparent gegenüber Patientinnen und Patienten darstellen lassen. Dr. Dr. Wohl betonte die Bedeutung der Patientenaufklärung: „Aufklärung ist kein Verkaufen von Leistungen, sondern unsere ureigene ärztliche Pflicht.“

Dr. Hartmann zeigte, worauf es ankommt, um Praxen langfristig wirtschaftlich stabil aufzustellen. Zwischen Honorarvereinbarung und Steuerbescheid lägen oftmals zwei Jahre. Anhand der Einnahmen und Kosten einer Musterpraxis zeigte er auf, wie sich inflationsbedingte Kostensteigerungen in diesem Zeitraum auswirken können: In den Jahren 2021 bis 2023 schrumpfte der Überschuss in seinem Fallbeispiel bei gleichem Leistungsvolumen von 152.550 auf 105.972 Euro. Wie eine Praxis dennoch individuell die Kontrolle über Zeitbedarf, Kosten und Preise behält, veranschaulichte Hartmann anhand seiner Kalkulationstabelle.

Update im Unternehmertum mit der BLZK

Anschließend befassten sich die Kolleginnen und Kollegen im „BLZK campus“ mit unternehmerischen Fragen der Praxisführung. BLZK-Geschäftsführer Stephan Grüner stellte Beratungs- und Unterstützungsangebote des ZEP Zentrum für Existenzgründer und Praxisberatung der BLZK vor: „Jedes Unternehmerleben hat ganz besondere Anforderungen, wir bringen mit unserer Beratung die entsprechende Erfahrung mit.“ Ob Gründung, Praxiserweiterung oder Übergabe – das ZEP steht Mitgliedern der BLZK mit einer kostenfreien Erstberatung und mit seinem Netzwerk in allen Fragen rund um die Praxisführung zur Seite. Die Unterstützung reicht von der Erstellung des Businessplanes über die Praxiseinrichtung und das Controlling bis hin zur Angebotsgestaltung.

Was Praxen tun können, um Personal zu gewinnen, und welche Unterstützung die BLZK hierbei leistet, beleuchtete BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner. © BLZK

Dr. Mattner mit Erfolgsrezepten zur Personalgewinnung

Im weiteren Verlauf des Nachmittages beschrieb BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner Strategien gegen den Fachkräftemangel. Sie zeigte Möglichkeiten auf, wie Praxen Personal gewinnen können – von der Beteiligung an Messen, Praktikumsangeboten und der Nutzung von Quereinsteigerseminaren bis hin zur gezielten Rekrutierung aus dem Ausland. Dr. Mattner erläuterte, wie dabei das Einreiseverfahren abläuft, und sie gab praktische Tipps, um das Wohnungsproblem zu lösen. Um gleichzeitig mehr Fachkräfte vor Ort zu gewinnen, unterstützt die BLZK die Praxen mit Flyern und Plakaten – aktuell mit der Kampagne „Der Job, der lächelt“, einer Praktikumsbörse, dem Instagram-Kanal @missionZFA, Filmen und ihrer Präsenz auf großen Berufsbildungsmessen.

Dr. Dr. Wohl zur BÄV: Die richtige Altersvorsorge

Auch Fragen der Altersvorsorge standen auf dem Programm. Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses der Bayerischen Ärzteversorgung (BÄV), Dr. Lothar Wittek, und sein Stellvertreter Dr. Michael Förster informierten exklusiv BLZK-Mitglieder über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der berufsständischen Versorgung – unter anderem im Vergleich zu anderen Anlageformen wie beispielsweise ETF. Dr. Wittek und Dr. Förster standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu allen Fragen Rede und Antwort. BLZK-Präsident Dr. Dr. Wohl zeigte sich in der Diskussion sehr froh darüber, einen Großteil seiner Altersvorsorge über die Bayerische Ärzteversorgung geregelt zu haben, und beteuerte, der Vortrag habe ihn in seiner Entscheidung bestätigt.

Mehr Erfolg, weniger Stress: Talk rund um den Praxisalltag

Der Samstag begann mit einem Austausch über Wege zu einer erfolgreichen Praxisführung ohne dauerhafte Überlastung. Zahnärztin Susanne Remlinger diskutierte dazu mit dem BLZK-Referenten Praxisführung, Dr. Frank Hummel. Beide sind niedergelassen, beide haben Kinder, beide engagieren sich in der Alterszahnheilkunde und im standespolitischen Ehrenamt. Eingangsszenario der Talkrunde: Es ist Montagmorgen, der erste Patient sitzt bereits im Wartezimmer, die ZFA kommt mit einer Frage zur Materialbestellung, zwei Patienten haben abgesagt, aber drei Notfälle haben angerufen, das Röntgengerät zeigt eine Fehlermeldung. Und während man versucht, den Überblick zu behalten, denkt man sich vielleicht kurz: „Ich wollte doch eigentlich Zahnarzt werden, nicht Personalchef, IT-Support und Krisenmanager gleichzeitig.“

Patienten behandeln ist längst nicht alles. Der Praxisalltag mit Organisation, Teamführung und
wirtschaftlicher Steuerung steckt voller Stressfaktoren. Wie man am besten damit umgeht, diskutierten Dr. Frank Hummel, Referent Praxisführung der BLZK (links), und die niedergelassene Zahnärztin Susanne Remlinger (rechts) mit Julika Sandt von der BLZK und dem Publikum. © Thomas Wagner/Messe Stuttgart

Remlinger räumte ein, auch sie habe schon erlebt, dass mitten im Betrieb plötzlich die Absauganlage defekt ist. Viel Stress könne man aber durch eine gute Organisation vermeiden, indem man etwa feste Zeiten für Notfälle oder für Verwaltungsaufgaben einplant. Sie vertrat den Standpunkt, mit Blick auf den Erfolg komme es nicht darauf an, die größte Praxis zu haben, sondern die Praxisgröße zu wählen, die persönlich passe.

Dr. Hummel, der in seiner Praxis ein 26köpfiges Team führt, ergänzte, Erfolg sei für ihn weit mehr als Profit. Entscheidend seien ein Team, das eigenverantwortlich ohne Stress arbeitet, und ebenso zufriedene Patienten. Dazu gehörten auch diejenigen, die seine Mitarbeiter und er gemeinsam in Pflegeheimen betreuen. Remlinger und Dr. Hummel waren sich einig, wie wichtig es darüber hinaus ist, sich Raum und Zeit für den persönlichen Ausgleich zu schaffen – sei es beim Sport oder durch „Steckenpferde im Beruf“, also Behandlungsschwerpunkte, für die man ein besonderes Interesse hat.

Prof. Fischer-Brandies zur rechtssicheren Dokumentation

Im Anschluss gab Prof. Dr. Dr. Eberhard Fischer-Brandies Einblicke in die rechtssichere Dokumentation von der Anamnese über die Patientenaufklärung bis hin zur Nachbehandlung. Steht der Vorwurf eines Behandlungsfehlers im Raum oder kommt es zum Honorarstreit, ist eine sorgfältige Dokumentation das A und O. Es sei darauf zu achten, dass von Anfang an jede medizinische Maßnahme mit der richtigen Formulierung dokumentiert wird. Eine Patientenakte, die nur Abrechnungspositionen enthalte, genüge der Dokumentationspflicht jedenfalls nicht. „Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht gemacht“, warnte Prof. Dr. Dr. Fischer-Brandies.

Lebendige Diskussion am „Stammtisch“ rund um GOZ, Fremdinvestoren und Bürokratieabbau mit starken Plädoyers für die Freiberuflichkeit. Helmut Markwort dazu: „Freiheit ist das höchste Gut!“ © Thomas Wagner/Messe Stuttgart

„Stammtisch“ mit Markwort: Starke Plädoyers für die Freiheit

Beim „Samstags-Stammtisch der BLZK“ diskutierte der Journalist, Medienunternehmer und Politiker Helmut Markwort mit BLZK-Präsident Dr. Dr. Wohl und der Landtagsabgeordneten sowie Zahnärztin Dr. Andrea Behr, MdL, über die Zukunft der freiberuflichen Zahnarztpraxis. Im Mittelpunkt standen politische Rahmenbedingungen und die Frage, wie die freiberufliche Struktur der zahnärztlichen Versorgung langfristig gesichert werden kann. Die Diskussionspartner waren sich einig, dass die GOZ endlich angehoben und Bürokratie beherzt abgebaut werden müsse.

Die Landtagsabgeordnete und Zahnärztin Dr. Andrea Behr, MdL, sieht im selbstbestimmten Arbeiten einen wesentlichen Vorteil der Zahnmedizin in eigener Praxis. © Thomas Wagner/Messe Stuttgart

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion waren investorengeführte medizinische Versorgungszentren. Dr. Behr setzte die Vorteile der Zahnmedizin in eigener Praxis entgegen: „Für mich ist Zahnmedizin der schönste Beruf der Welt, denn man kann den Menschen helfen, und man ist frei. Ich kann bestimmen, welchen Patienten ich behandle, ich kann bestimmen, was ich mache und wie ich es mache. Und ich habe keinen Vorgesetzten, der mir sagt, heute kein Goretex-Faden. Diese Freiheit ist so wunderschön. Dafür setze ich mich auch als Politikerin ein.“ Helmut Markwort reagierte: „Freiheit ist das höchste Gut. Bravo.“

Als niedergelassener Zahnarzt sei man sein eigener Chef, man könne sein eigenes Leben selber beruflich und privat gestalten, ergänzte Dr. Dr. Wohl. „Es wird in unserer Gesellschaft viel zu geringgeschätzt, aber ich halte es für außerordentlich wichtig, dass es die Freien Berufe gibt. Dieser Mittelstand ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Auch die Diskussion über Bürokratie hat gezeigt, dass unser Land hier umdenken muss. Wir Zahnärzte müssen als erstes schauen, dass unser Berufsstand gut besteht und dass wir die Versorgung im Interesse unserer Patienten aufrechterhalten“, so der Kammerpräsident abschließend.

Julika Sandt
Leiterin der Stabsstelle Politik der BLZK


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