Prävention wirkt! Liebe Politiker, würgt sie nicht ab!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Institut der deutschen Wirtschaft hat Unternehmer gefragt, was die künftige Bundesregierung tun muss, um den Wohlstand zu sichern. Das Ergebnis ist eindeutig. Auf Platz eins rangiert die Senkung der Kosten für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Die Infrastruktur, der gesellschaftliche Zusammenhalt und sogar unsere Verteidigungsfähigkeit stehen auf dem Wunschzettel weiter unten.

Wir Zahnärzte machen das bereits seit einem halben Jahrhundert! Der Anteil der Zahnmedizin an den GKV-Leistungsausgaben ist von über 15 Prozent 1976 (damals noch die alten Bundesländer) auf aktuell 5,8 Prozent gesunken. Das sind aber nicht die Erfolge von politischen Kostendämpfungsmaßnahmen, sondern von engagierten Präventionsinitiativen der Zahnärzte und ihrer Teams. Während die meisten Sparmaßnahmen – allen voran die Budgetierung – die Qualität der Gesundheitsversorgung verschlechtern, verhelfen wir den Menschen durch Prävention zu höherer Lebensqualität.

Das belegen die Ergebnisse der noch druckfrischen Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Bei den 35- bis 44-Jährigen ging die Zahl der fehlenden Zähne seit 1998 von durchschnittlich 3,9 auf 1 zurück. Prävention wirkt eben.

Die Konsequenz für unsere Gesundheitspolitiker sollte eigentlich klar sein. Sie müssten alles Mögliche unternehmen, um diese Erfolge zu unterstützen und auf andere Gesundheitsbereiche auszudehnen. Stattdessen geschah im Bereich der Parodontologie das Gegenteil. Karl Lauterbachs berüchtigtes GKV-Finanzstabilisierungsgesetz hat bekanntlich nicht die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisiert, dafür aber das Niveau der Parodontitis. 2024 wurden weniger neue PAR-Fälle beantragt als 2013. Das ist grotesk, denn bekanntlich hilft Parodontitis-Therapie, teuren Zahnersatz zu vermeiden. Zudem sind Korrelationen zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen.

Doch auch die künftige Prävention ist in Gefahr, weil die Niederlassung in eigener Praxis unattraktiv erscheint. Besonders auf dem Land fehlen Nachfolger. Um die Niederlassung zu fördern, muss die künftige Regierung die Budgetierung abschaffen, den GOZ-Punktwert anpassen und bürokratische Hürden abbauen, letzteres bitteschön mit der Kettensäge!

Nur wenn die Berliner Politik uns endlich stärkt, statt uns weiter in den Rücken zu fallen, können wir den Erfolg zahnärztlicher Prävention langfristig sichern.

Ihr Dr. Dr. Frank Wohl
Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer