Ohne Prävention geht es nicht

Liebe bayerische Zahnärztinnen und Zahnärzte,

es freut mich, dass ich das Editorial für diese Ausgabe des BZB schreiben darf. Denn damit habe ich die Gelegenheit, Danke zu sagen.

Danke dafür, dass Sie trotz schwieriger politischer Rahmenbedingungen seit über 75 Jahren die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Bayern sichern!

Und danke dafür, dass sich durch Ihre Präventions- und Prophylaxearbeit die Mundgesundheit in allen Bevölkerungsgruppen enorm verbessert hat!

Damit sind die Zahnärzte aus meiner Sicht Vorbild für andere Medizinbereiche.

Diese Erfolge gehen auch darauf zurück, dass Politik und Standespolitik in Bayern an einem Strang ziehen. In meiner Zeit als Gesundheitsministerin habe ich bereits 2015 den ersten bayerischen Präventionsplan vorgelegt. Der Schwerpunkt lag damals auf der Kindergesundheit. Und auch hier waren und sind die Zahnärzte die Vorreiter. Über 2 400 Zahnärztinnen und Zahnärzte betreuen ehrenamtlich mehr als 13 000 Kitas, Krippen, Grund- und Förderschulen. Goldie und Dentulus vermitteln den Kindern spielerisch, wie wichtig eine gute Mundhygiene ist.

Allerdings sind die Präventionserfolge gefährdet. Die Zahl der Praxen sinkt kontinuierlich. Immer mehr junge Zahnärztinnen und Zahnärzte entscheiden sich für die Anstellung. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Bürokratie, steigende Praxiskosten, Fachkräftemangel und ein stagnierender GOZ-Punktwert schrecken viele vom Schritt in die Selbstständigkeit ab. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verstärkt diese Entwicklung, weil es auch bei den Zahnärzten Einsparungen vorsieht. Natürlich müssen die Kassenfinanzen saniert werden, aber gerade präventive Leistungen sollten nicht budgetiert sein. Schon Hippokrates wird der Leitsatz zugeschrieben: „Wohlgetan ist es, die Gesunden sorgfältig zu führen, damit sie nicht krank werden.“ Langfristig trägt Prävention dazu bei, die GKV-Ausgaben zu senken. Unser Gesundheitssystem wird leichter finanzierbar bleiben, wenn die Prävalenz von Adipositas, Diabetes, Demenz, Herzinfarkten, Schlaganfällen, Rückenschmerzen und weiteren Erkrankungen in Deutschland sinkt.

Auch hierfür liefern die Zahnärzte die Blaupause: Bereits seit 2005 gibt es die befundorientierten Festzuschüsse und das Zahn-Bonusheft. Regelmäßige Vorsorge wird belohnt! Vor Kurzem habe ich gelesen, dass sich die Zahnärzte mittlerweile als „Personal Trainer für die Mundgesundheit“ sehen. Solche Trainer bräuchten wir auch für die Allgemeingesundheit. Der präventive Ansatz kommt mir in der aktuellen Berliner Gesundheitspolitik noch zu kurz. Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet die Alterssicherungskommission das Thema aufgegriffen hat: „Alle Bemühungen, gesundheitliche Risiken möglichst frühzeitig zu erkennen und durch Prävention und Rehabilitation zum Erhalt der Gesundheit beizutragen, sind von großer Bedeutung.“ Dem kann ich mich vollumfänglich anschließen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass die Zahnärzte trotz Spargesetzen und Bürokratiebelastung weiterhin die Prävention vorantreiben. Und dass dieser Funke auf alle anderen Medizinbereiche überspringt.

Ihre Melanie Huml
MdL, Staatsministerin a. D.