Bundes- und Landeszahnärztekammer reden Klartext mit der Politik
Steigende Krankenkassenbeiträge, drohende Versorgungslücken im ländlichen Raum: Das deutsche Gesundheitssystem wird zunehmend selbst zum Notfallpatienten. So überschlugen sich Politiker zum Jahreswechsel geradezu mit Ideen, um das Gesundheitswesen zu „verarzten“. Das gipfelte bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in der Erwägung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, anhaltende regionale Probleme in der ärztlichen Versorgung möglicherweise mit einem Staatskommissar zu regeln. Angesichts dieser Situation ist es umso wichtiger, dass die Zahnärzteschaft intensiv mit der Politik im Dialog bleibt. Rund um den Jahreswechsel nutzte die Spitze der Bayerischen Landeszahnärztekammer Anlässe wie den CSU-Parteitag und den Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten zum Austausch.

Der gemeinsame Stand von Bundeszahnärztekammer und Bayerischer Landeszahnärztekammer beim CSU-Parteitag am 12. und 13. Dezember 2025 in der Messe München war ein lebhafter Treffpunkt für politische Gespräche.
Besonderer Hingucker: die 11-Pfennig-Einkaufswagenchips der BLZK mit passenden Flyern. Damit veranschaulichten BZÄK-Vizepräsidentin Dr. Doris Seiz, BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl, BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner und Zahnärztin Susanne Remlinger, dass der GOZ-Punktwert seit 1988 unverändert 11 Pfennigen entspricht – umgerechnet 5,62421 Cent. Die fehlende Anpassung an die Lohn-, Praxis- und Lebenshaltungskosten lähme die Niederlassungsbereitschaft junger Kolleginnen und Kollegen.

Versorgung auf dem Land – großes Thema im Kommunalwahljahr 2026
Der Parteitagsstand bot Raum für intensiven Austausch, unter anderem mit Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und dem Vorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion, Klaus Holetschek. Mehrere Landräte aus dem Nordosten Bayerns interessierten sich für den Erhalt der zahnmedizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Sie erfuhren, mit welchen Angeboten die BLZK Praxisabgeber und -gründer unterstützt – von der Praxisbörse über Niederlassungsseminare bis zum Zentrum für Existenzgründer und Praxisberatung (ZEP).
Über drohende Versorgungslücken und die Ursachen sprachen die Vertreter der Zahnärzte auch mit Abgeordneten. Aus dem Landtag kamen die Gesundheitspolitiker Bernhard Seidenath, Dr. Andrea Behr, Carolina Trautner und Helmut Schnotz an den Stand der Zahnärztekammern, aus dem Bundestag Dr. Stephan Pilsinger, Emmi Zeulner und Prof. Dr. Hans Theiss. Ein Anknüpfungspunkt war die Anhörung, in der sich der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages kurz zuvor mit Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) befasst hatte. BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl unterstrich, investorengesteuerte MVZ entstünden fast ausschließlich in Ballungsräumen, wodurch sich die Versorgungssituation in den ländlichen Räumen verschärfe. Hier sehe er politischen Handlungsbedarf.


Bürokratieabbau und Fachkräftemangel politisch zielgenau platziert
Ein weiteres zentrales Thema war der dringend notwendige Bürokratieabbau – unter anderem im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten und Beauftragten der Staatsregierung für den Bürokratieabbau, Walter Nussel. Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, nahm sich gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten und Hochschulpolitiker Dr. Stephan Oetzinger Zeit für einen Besuch am Stand der Zahnärztekammern. Mit ihnen sprachen Dr. Dr. Wohl und Dr. Mattner über die aktuelle Situation an den Hochschulen.
Auch über den Fachkräftemangel berichteten die Zahnärzte am Stand – etwa beim Besuch der Vorsitzenden des Bildungsausschusses des Landtages, Dr. Ute Eiling-Hütig, und beim Wiedersehen mit Bayerns Arbeits- und Sozialministerin Ulrike Scharf, die erst wenige Tage zuvor den Stand der BLZK bei der Berufsbildungsmesse in Nürnberg besucht hatte (siehe Seite 18 f.).


Steri-Validierung: Umweltminister bestens informiert
Das „Who’s who“ aus bayerischer Politik, Medien, Verbänden, Ehrenamt und Gesellschaft traf sich am 9. Januar zum Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten in der Münchner Residenz. BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl tauschte sich dort mit Kabinettsmitgliedern, Abgeordneten und Spitzenvertretern der Behörden aus.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern wusste, als Dr. Dr. Wohl die Erstvalidierung von Sterilisatoren erwähnte, bestens Bescheid, wovon der Kammerpräsident spricht. Der Minister verriet, er habe eine Zahnärztin im persönlichen Umfeld. Auf seine Initiative hatte der Freistaat Bayern bereits vor drei Jahren eine Entschließung des Bundesrates für den Abbau bürokratischer Hemmnisse bei der hygienischen Aufbereitung von Medizinprodukten beantragt. Leider hätten die anderen Bundesländer damals nicht mitgezogen, bedauerte Glauber in dem Gespräch. Dr. Dr. Wohl dankte dem Minister für sein Engagement und ermunterte ihn, es sei Zeit für einen neuen Anlauf.
Julika Sandt, Leiterin der Stabsstelle Politik der BLZK