11 Pfennig für die Ewigkeit? Der seit 37 Jahren stagnierende GOZ-Punktwert war Thema beim Standbesuch von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (3. v. l.) und CSU-Schatzmeister Dr. Hans Reichhart (2. v. r.) mit BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner, BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl, BZÄK- Vizepräsidentin Dr. Doris Seiz und BLZK-Stabsstellenleiterin Julika Sandt (v. l.).
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Notfall Gesundheitssystem: Zahnärzte im politischen Einsatz

Bundes- und Landeszahnärztekammer reden Klartext mit der Politik

Steigende Krankenkassenbeiträge, drohende Versorgungslücken im ländlichen Raum: Das deutsche Gesundheitssystem wird zunehmend selbst zum Notfallpatienten. So überschlugen sich Politiker zum Jahreswechsel geradezu mit Ideen, um das Gesundheitswesen zu „verarzten“. Das gipfelte bei der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in der Erwägung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, anhaltende regionale Probleme in der ärztlichen Versorgung möglicherweise mit einem Staatskommissar zu regeln. Angesichts dieser Situation ist es umso wichtiger, dass die Zahnärzteschaft intensiv mit der Politik im Dialog bleibt. Rund um den Jahreswechsel nutzte die Spitze der Bayerischen Landeszahnärztekammer Anlässe wie den CSU-Parteitag und den Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten zum Austausch.

Der gesundheitspolitische Arbeitskreis der CSU informierte sich am gemeinsamen Parteitagsstand von Bundes- und Landeszahnärztekammer über die Sorgen und politischen Forderungen der Zahnärzte. © BLZK

Der gemeinsame Stand von Bundeszahnärztekammer und Bayerischer Landeszahnärztekammer beim CSU-Parteitag am 12. und 13. Dezember 2025 in der Messe München war ein lebhafter Treffpunkt für politische Gespräche.

Besonderer Hingucker: die 11-Pfennig-Einkaufswagenchips der BLZK mit passenden Flyern. Damit veranschaulichten BZÄK-Vizepräsidentin Dr. Doris Seiz, BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl, BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner und Zahnärztin Susanne Remlinger, dass der GOZ-Punktwert seit 1988 unverändert 11 Pfennigen entspricht – umgerechnet 5,62421 Cent. Die fehlende Anpassung an die Lohn-, Praxis- und Lebenshaltungskosten lähme die Niederlassungsbereitschaft junger Kolleginnen und Kollegen.

Über die Herausforderungen der Hochschulen in Ausbildung und Lehre sprachen Dr. Dr. Frank Wohl und Dr. Barbara Mattner mit Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume (2. v. r.), und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitskreises Wissenschaft und Kunst der CSU-Landtagsfraktion, Dr. Stephan Oetzinger (l.) © BLZK

Versorgung auf dem Land – großes Thema im Kommunalwahljahr 2026

Der Parteitagsstand bot Raum für intensiven Austausch, unter anderem mit Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und dem Vorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion, Klaus Holetschek. Mehrere Landräte aus dem Nordosten Bayerns interessierten sich für den Erhalt der zahnmedizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Sie erfuhren, mit welchen Angeboten die BLZK Praxisabgeber und -gründer unterstützt – von der Praxisbörse über Niederlassungsseminare bis zum Zentrum für Existenzgründer und Praxisberatung (ZEP).

Über drohende Versorgungslücken und die Ursachen sprachen die Vertreter der Zahnärzte auch mit Abgeordneten. Aus dem Landtag kamen die Gesundheitspolitiker Bernhard Seidenath, Dr. Andrea Behr, Carolina Trautner und Helmut Schnotz an den Stand der Zahnärztekammern, aus dem Bundestag Dr. Stephan Pilsinger, Emmi Zeulner und Prof. Dr. Hans Theiss. Ein Anknüpfungspunkt war die Anhörung, in der sich der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages kurz zuvor mit Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) befasst hatte. BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl unterstrich, investorengesteuerte MVZ entstünden fast ausschließlich in Ballungsräumen, wodurch sich die Versorgungssituation in den ländlichen Räumen verschärfe. Hier sehe er politischen Handlungsbedarf.

Dr. Dr. Frank Wohl beim Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten mit dem Amtschef im Bayerischen Gesundheitsministerium, Ministerialdirigent Dr. Rainer Hutka, dem Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bayerischen Landtag, Bernhard Seidenath, der Präsidentin des Verbandes der Pflegenden in Bayern, Rita Zöllner, und dem unterfränkischen GPA-Vorsitzenden Reinhard Trageser (v. l.). © BLZK
Mit der Bayerischen Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf, redete Kammerpräsident Dr. Dr. Frank Wohl über bessere Bedingungen zur Gewinnung von Fachkräften für die bayerischen Zahnarztpraxen. © BLZK

Bürokratieabbau und Fachkräftemangel politisch zielgenau platziert

Ein weiteres zentrales Thema war der dringend notwendige Bürokratieabbau – unter anderem im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten und Beauftragten der Staatsregierung für den Bürokratieabbau, Walter Nussel. Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, nahm sich gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten und Hochschulpolitiker Dr. Stephan Oetzinger Zeit für einen Besuch am Stand der Zahnärztekammern. Mit ihnen sprachen Dr. Dr. Wohl und Dr. Mattner über die aktuelle Situation an den Hochschulen.

Auch über den Fachkräftemangel berichteten die Zahnärzte am Stand – etwa beim Besuch der Vorsitzenden des Bildungsausschusses des Landtages, Dr. Ute Eiling-Hütig, und beim Wiedersehen mit Bayerns Arbeits- und Sozialministerin Ulrike Scharf, die erst wenige Tage zuvor den Stand der BLZK bei der Berufsbildungsmesse in Nürnberg besucht hatte (siehe Seite 18 f.).

Was wäre Politik ohne Komik und Tragikomik? Hierfür gab es beim Neujahrsempfang pointierte Expertise vom Kabarettisten Django Asül. © BLZK
Neuer Anlauf für Erleichterungen bei der Medizinprodukte-Aufbereitung? Der Landtagsabgeordnete Johann Groß, Bayerns Umweltminister Torsten Glauber, Julika Sandt und Dr. Dr. Wohl (v. l.) © BLZK

Steri-Validierung: Umweltminister bestens informiert

Das „Who’s who“ aus bayerischer Politik, Medien, Verbänden, Ehrenamt und Gesellschaft traf sich am 9. Januar zum Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten in der Münchner Residenz. BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl tauschte sich dort mit Kabinettsmitgliedern, Abgeordneten und Spitzenvertretern der Behörden aus.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern wusste, als Dr. Dr. Wohl die Erstvalidierung von Sterilisatoren erwähnte, bestens Bescheid, wovon der Kammerpräsident spricht. Der Minister verriet, er habe eine Zahnärztin im persönlichen Umfeld. Auf seine Initiative hatte der Freistaat Bayern bereits vor drei Jahren eine Entschließung des Bundesrates für den Abbau bürokratischer Hemmnisse bei der hygienischen Aufbereitung von Medizinprodukten beantragt. Leider hätten die anderen Bundesländer damals nicht mitgezogen, bedauerte Glauber in dem Gespräch. Dr. Dr. Wohl dankte dem Minister für sein Engagement und ermunterte ihn, es sei Zeit für einen neuen Anlauf.

Julika Sandt, Leiterin der Stabsstelle Politik der BLZK