Bei der Auftaktveranstaltung zum BLZK-Sommercampus 2026 entwickelte sich eine lebendige Diskussion rund um die Zukunftsperspektiven der zahnärztlichen Honorierung (v. l.): BLZK-Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner, BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl, Moderatorin Julika Sandt, BZÄK- Präsidentin Dr. Romy Ermler und der Autor der GOZ-Kalkulationstabelle Dr. Alexander Hartmann.
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Mit Laptop und Liegestuhl: Fortbildung auf der Höhe der Zeit

Sommercampus 2026 der BLZK lockte rund 3 500 Teilnehmer

Ob am Schreibtisch, auf der abendlichen Terrasse oder am Hotelpool auf der anderen Seite des Globus: Mit dem BLZK-Sommercampus brachten etwas mehr als 3 500 bayerische Zahnärzte in der Urlaubszeit das eigene Fachwissen auf den neuesten Stand, ohne an einen festen Seminarort gebunden zu sein. Dank digitaler Übertragungen und flexiblem Abruf ließen sich die sechs zweistündigen Mittwochs-Sessions mühelos in jeden Sommeralltag integrieren. Die thematische Bandbreite reichte von modernen Präventionsfragen bis zu handfesten Management-Tipps. Die geladenen Referenten, allesamt erfahrene Praktiker, überzeugten mit hoher Fachkompetenz und Gespür für die Realität in den Praxen.

Zur hybriden Auftaktveranstaltung am 26. Juli empfing der GOZ-Senat der BLZK die Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Romy Ermler MBA, im Münchner Haus der bayerischen Zahnärzte. Sie erläuterte, wie die BZÄK, insbesondere mit der Task Force GOZ, die Zahnärzte unterstützt, und hob die Bedeutung der Paragrafen 2, 5 und 6 GOZ hervor. BLZK-Präsident Dr. Dr. Frank Wohl, Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner sowie der 1. Vorsitzende des ZBV Niederbayern, Dr. Alexander Hartmann, zeigten auf, wie Praxen ihre Honorare auskömmlich gestalten und Patienten transparent aufklären. „Der GOZ-Punktwert stagniert seit 39 Jahren, während die Inflation in die Höhe geschnellt ist. Deshalb arbeiten wir mit voller Kraft daran, die wirtschaftliche Stabilität der Praxen und damit die zahnärztliche Versorgung nachhaltig zu sichern“, stellte Dr. Dr. Wohl klar.

Dr. Dr. Wohl: „Ohne § 2 GOZ geht es nicht!“

Dr. Dr. Wohl, der auch GOZ-Referent der BLZK ist, arbeitete anschaulich den Interessenkonflikt des Staates heraus, der einerseits die GOZ als Rechtsverordnung erlässt, andererseits aber als Beihilfeträger von den für die Zahnärzte unzureichenden GOZ-Honoraren profitiert (siehe Grafik links). Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig: „Auch der 3,5-fache Steigerungssatz reicht vielfach nicht mehr für ein kostendeckendes Honorar, damit ist die Anwendung von § 2 GOZ unvermeidlich!“

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„Wir Zahnärzte haben keine Hilfe von außen zu erwarten“, ergänzte Dr. Mattner, „also müssen wir selbst handeln.“ Sie stellte unter anderem die Musterformulare der BLZK zur GOZ vor. Auch Dr. Hartmann gab konkrete Hilfestellungen. Mit der von ihm entwickelten GOZ-Kalkulationstabelle veranschaulichte er, wie jede Praxis individuell kalkulieren muss, um wirtschaftlich zu arbeiten, denn: „Ohne eine rentable Honorierung fehlt einer Praxis alles, was die Zahnheilkunde wertvoll macht: Zeit für Zuwendung und Qualität, Investitionen für Innovationen, Zeit und Geld für Fortbildungen, Ressourcen für Personalgewinnung, Förderung und angemessene Entlohnung!“ In der anschließenden Diskussionsrunde standen die vier Referenten dem Publikum im Saal und an den Bildschirmen Rede und Antwort. Unter anderem interessierten sich die Teilnehmer dafür, welche Steigerungssätze die Kollegen ansetzen. „Beteiligen Sie sich an unserer GOZ-Analyse“, warb Dr. Ermler für die Datenerhebung der BZÄK.

Nikotin 2.0: fester Platz in Anamnese, Diagnostik, Beratung

In den darauffolgenden Wochen verlagerte sich der Sommercampus komplett in den virtuellen Raum. Ein hochaktuelles Thema der Präventionszahnmedizin griff Dr. Sandra Pulvermüller, Referentin Prophylaxe und Kinderzahnheilkunde des ZBV Niederbayern, auf: „Nikotin 2.0 – Vapes, Snus und Nikotin-Pouches: Was Zahnärzte heute wissen müssen“. Die neuen Lifestyleprodukte gewinnen insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend an Bedeutung und stellen die zahnärztliche Praxis vor neue Herausforderungen. Im Fokus standen die frühzeitige Erkennung oraler Veränderungen, die evidenzbasierte Einordnung der gesundheitlichen Risiken sowie praxisnahe Empfehlungen für Anamnese, Diagnostik und Patientenberatung. „Die Zahnmedizin von heute muss neue Konsumformen erkennen, um deren orale Auswirkungen evidenzbasiert diagnostizieren, bewerten und frühzeitig behandeln zu können“, so Dr. Pulvermüller.

Perfekt oder nicht – Mut zur Praxisgründung lohnt sich!

In ihrem Vortrag „Konfetti-Momente: Das 3 x 3 zum Erfolg der eigenen Praxis“ skizzierte Elena Lingl, Referentin Niederlassung und Selbständigkeit des ZBV Oberbayern, am 12. August, wie der Schritt in die Selbstständigkeit gelingt und man die eigene Praxis auf Erfolgskurs steuert. „Niemand muss vom ersten Tag an perfekt sein. Selbstständigkeit können Sie lernen, indem Sie nach und nach in die Rolle als Unternehmerin oder Unternehmer hineinwachsen.“ Mit Tipps und Beispielen führte Lingl vor Augen, wie sich Praxisgründer Unterstützung holen, aus Fehlern lernen und Entscheidungen auch wieder korrigieren. Aus Erfahrung empfahl sie, die eigene Praxis immer wieder so zu verändern, dass sie zum eigenen Leben passt. „Natürlich hat auf meinem Weg nicht immer alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Trotzdem würde ich mich jederzeit wieder für die Selbstständigkeit entscheiden. Denn meine Praxis ist zu einem Ort geworden, an dem ich gestalten, entscheiden und echte Freude an meinem Beruf erleben darf. Und genau dort entstehen sie: die vielen kleinen und großen Konfetti-Momente, die zeigen, dass sich der Mut gelohnt hat“, ermunterte Lingl, den Schritt in die eigene Praxis zu wagen.

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Mit der richtigen Dokumentation für alle Fälle gewappnet

Wie Zahnärzte effektiv und rechtssicher dokumentieren, damit sie für alle Fälle gewappnet sind, erklärte Prof. Dr. Dr. Eberhard Fischer-Brandies, Referent Gutachterwesen der BLZK, am 19. August. Sein Rat: „Die Dokumentationspflichten sind gesetzlich geregelt. Dennoch lohnt es sich, sich mit den Details auseinanderzusetzen: Bei Regressen und im Rechtsstreit mit Versicherungen und Patienten kommt es oft auf die richtige Dokumentation und Argumentation an.“

„Pflegezahnmedizin gehört ins Portfolio einer modernen Praxis“

Ein Update zur Pflegezahnmedizin gaben Dr. Frank Hummel, Referent Praxisführung sowie Pflegebeauftragter der BLZK, und Dr. Cornelius Haffner, Experte für Mundgesundheit in der Pflege am Städtischen Klinikum Harlaching, am 26. August. Schließlich beeinflussen die Zähne die allgemeine Gesundheit und Lebensqualität bis ins hohe Alter. Wer als Zahnarzt die wachsende Klientel der Pflegebedürftigen versorgt, erfüllt somit eine bedeutende Aufgabe. Das Engagement verstärke auch die soziale Anerkennung für den Arzt und den guten Ruf der Praxis, so Dr. Hummel. Sein Fazit: „Die Pflegezahnmedizin kann das alles und gehört deshalb ins Portfolio einer modernen Praxis.“

Strategien für ein starkes Team trotz Fachkräftemangels

Erfolgsrezepte zur Personalgewinnung verrieten Dr. Brunhilde Drew und Dr. Dorothea Schmidt, Referentinnen Zahnärztliches Personal der BLZK, sowie Roman Bernreiter M.Sc., M.Sc., Vorstandsmitglied der BLZK und Leiter des Projektes „Azubis aus Madagaskar“ am 2. September. Sie präsentierten Strategien, wie Praxen Nachwuchs für den ZFA-Beruf gewinnen und auch in Zeiten des Fachkräftemangels ein starkes Team aufbauen. Dr. Drew betonte: „Erfolgreiche Personalgewinnung beginnt nicht erst mit einer freien Stelle. Sie beginnt mit der Frage: ‚Warum sollte sich jemand für unsere Praxis entscheiden?‘ Personalgewinnung ist ein kontinuierlicher Prozess – von der ersten Wahrnehmung bis hin zur langfristigen Verbundenheit.“ Bernreiter beleuchtete die Chancen einer gezielten Auslandsakquise: „Azubimangel war gestern! Ausbildung macht mit hochgebildeten Azubis aus dem Ausland wieder Spaß. Die Kolleginnen tun unseren Teams mit ihrer fröhlichen, sonnigen, unbeschwerten Art richtig gut!“ Entsprechend herzlich schilderte die von ihm mitgebrachte Auszubildende Lea Andriatsara, wie sie in die Praxis gestartet ist.

Julika Sandt
Leiterin der Stabsstelle Politik der BLZK


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