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Ihr neuer digitaler Kollege

Wie KI die Abrechnungsmappe intelligenter macht

Künstliche Intelligenz verändert den Praxisalltag – auch in der Abrechnung. Entscheidend ist nicht das „Ob“, sondern das „Wie“. Mit einer neuen KI-gestützten Funktion in der Abrechnungsmappe setzt die KZVB auf einen innovativen Ansatz: Die KI beantwortet Fragen, strukturiert komplexe Regelwerke, schafft Orientierung und entlastet Praxisteams. Die Verantwortung bleibt dabei stets bei den Behandelnden – die KI übernimmt die Rolle eines digitalen Assistenten.

Die wachsende Komplexität der Abrechnung

Die Zahnmedizin entwickelt sich kontinuierlich weiter. Fortschritte in der Materialkunde, neue therapeutische Konzepte und eine zunehmende Digitalisierung prägen den Praxisalltag. Parallel dazu hat sich jedoch ein Bereich stetig verdichtet, der in der öffentlichen Wahrnehmung meist im Hintergrund bleibt, für die wirtschaftliche Stabilität der Praxen aber von zentraler Bedeutung ist: die Abrechnung.

Zwischen Bema, GOZ, GOÄ, BEL II, Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses, BMV-Z und den Anforderungen der Wirtschaftlichkeitsprüfung ist ein Regelwerk entstanden, das selbst erfahrene Praxisteams vor Herausforderungen stellt. Fehler entstehen dabei selten aus mangelnder Sorgfalt, sondern aus der schlichten Tatsache, dass die Abrechnung inzwischen eine eigene fachliche Disziplin darstellt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie moderne digitale Werkzeuge sinnvoll eingesetzt werden können, um Zahnärztinnen, Zahnärzte und ihre Teams zu unterstützen, ohne dabei rechtliche Risiken einzugehen oder Verantwortlichkeiten zu verwischen.

Künstliche Intelligenz als Unterstützungsinstrument

Die KZVB hat sich bewusst dafür entschieden, künstliche Intelligenz nicht als Ersatz für fachliche Kompetenz zu verstehen, sondern als strukturierendes Hilfsmittel. Die neue KI-Funktion innerhalb der Abrechnungsmappe ist deshalb kein automatisiertes Abrechnungssystem, sondern ein Informations- und Orientierungstool.

Sie steht exklusiv den bayerischen Vertragszahnärztinnen und -zahnärzten sowie ihren Praxisteams zur Verfügung und basiert auf den für Bayern maßgeblichen Regelungen. Ziel ist es, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten, typische Fehlerquellen aufzuzeigen und bei Unsicherheiten eine fachlich fundierte Einordnung zu ermöglichen.

Dabei liefert die KI wertvolle Hinweise, Erläuterungen und Kontext. Sie dient als intelligenter Lotse durch das Regelwerk, ersetzt jedoch weder die zahnärztliche Entscheidung noch die individuelle Dokumentation – die Verantwortung verbleibt somit wie gewohnt bei der Praxis.

Abrechnungssicherheit durch strukturierte Unterstützung

Der BEMA bildet die Grundlage der vertragszahnärztlichen Abrechnung und unterliegt zugleich einem kontinuierlichen Wandel. Gerade bei alltäglichen Leistungen treten dabei in der Praxis häufig Unsicherheiten auf, etwa bei der Abgrenzung von Beratung und Untersuchung oder bei der Anwendung von Leistungsausschlüssen. Die KI-Funktion der Abrechnungsmappe bietet hier strukturierte Orientierung und weist auf abrechnungsrelevante Besonderheiten hin. Bei Füllungsleistungen unterstützt sie zusätzlich bei der rechtssicheren Einordnung von Mehrkostenvereinbarungen.

Besonders sensibel sind die Schnittstellen zwischen Bema und GOZ. Fehlzuordnungen können sowohl Honorareinbußen als auch Inkassorisiken nach sich ziehen. Die KI hilft, gesetzliche und private Leistungsanteile korrekt zu trennen und formale Anforderungen transparent abzubilden.

Auch bei komplexeren Versorgungsbereichen bietet das System Orientierung. In der Parodontitistherapie unterstützt es bei der Einhaltung von Fristen, Intervallen und Leistungsbegrenzungen gemäß PAR-Richtlinie. Im Bereich der Wiederherstellungen von Zahnersatz und Zahnkronen erleichtert es die korrekte Befundzuordnung im Festzuschusssystem und weist auf abrechnungsrechtliche Besonderheiten hin.

In der Kieferorthopädie hilft die KI bei der systematischen Einordnung der KIG-Einstufungen und berücksichtigt aktuelle Regelungen zu Mehr- und Zusatzleistungen. Ergänzend macht sie auf die Bedeutung einer vollständigen Dokumentation aufmerksam, die insbesondere im Hinblick auf Wirtschaftlichkeitsprüfungen von zentraler Bedeutung ist.

Ein Praxisbeispiel

Der praktische Mehrwert der KI wird insbesondere bei konkreten Behandlungssituationen deutlich. Stellt sich eine Patientin mit einer defekten Teilprothese vor, bei der eine Wiederherstellung mit Unterfütterung erforderlich ist, und wünscht ergänzend eine professionelle Zahnreinigung, leitet das System strukturiert durch die relevanten Abrechnungsfragen.

Es weist auf die zutreffenden Befund- und Gebührennummern hin, erinnert an die notwendige Privatvereinbarung für die PZR und macht auf wirtschaftliche Aspekte sowie auf mögliche Genehmigungsfreiheiten aufmerksam. Die Entscheidung bleibt dabei stets in der Hand der Praxis, wird jedoch – sekundenschnell – auf eine fundierte Informationsbasis gestellt.

Eine typische Freitext-Anfrage an die KI könnte in diesem Fall folgendermaßen lauten: „Pat. rep. teilprothese, unterfütterung, pzr. was beachten?“ – orthografische Ungenauigkeiten stellen die KI hierbei vor keine Probleme.

Dieses Beispiel ist erst der Anfang: In den kommenden Ausgaben des BZBplus zeigen wir in einer Mini-Serie weitere Einsatzmöglichkeiten der KI-Funktion im Praxisalltag.

Perspektiven für die Zukunft

Die Einführung der KI-Funktion in der Abrechnungsmappe markiert keinen Endpunkt, sondern einen Anfang. Künstliche Intelligenz wird weder die Zahnmedizin noch deren Verwaltung vollständig ersetzen, kann sie aber sinnvoll ergänzen, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt wird.

Für die KZVB ist dieser Schritt Ausdruck eines Selbstverständnisses, das auf Unterstützung, Transparenz und Partnerschaft setzt. Ziel ist es, die Praxen im administrativen Bereich zu entlasten, damit mehr Zeit für das bleibt, was im Mittelpunkt steht: die Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Abrechnung ist kein Randthema, sondern ein integraler Bestandteil freiberuflicher zahnärztlicher Tätigkeit. Sie verdient dieselbe Aufmerksamkeit und Sorgfalt wie die Behandlung selbst. Mit der neuen KI-Funktion der Abrechnungsmappe stellt die KZVB den bayerischen Zahnarztpraxen ein modernes, praxisnahes Instrument zur Verfügung, das Orientierung gibt, Sicherheit schafft und den Alltag spürbar erleichtert. Für viele, klar umrissene Fragestellungen ermöglicht sie einen sekundenschnellen und niederschwelligen Zugang zu verlässlichen Informationen. Bei komplexeren Sachverhalten, individuellen Konstellationen oder weitergehendem Beratungsbedarf steht den Praxen selbstverständlich weiterhin die persönliche Praxisberatung der KZVB zur Verfügung.

Dr. Maximilian Wimmer

Leiter des KZVB-Geschäftsbereiches Abrechnung und Honorarverteilung