Bayerische Staatsregierung würdigt Leistungen der KZVB und ihrer Mitglieder
Ein Staatsempfang ist laut KI eine „Geste der Höflichkeit und des Respektes“. Er wird üblicherweise für ausländische Staatsoberhäupter und andere „wichtige Persönlichkeiten“ ausgerichtet. Am 30. Juli waren es jedoch die KZVB und ihre Mitglieder, die vom Freistaat Bayern geehrt wurden. Und zwar dafür, dass sie seit 75 Jahren die zahnmedizinische Versorgung der Patienten in Bayern aufrechterhalten!
Zum Staatsempfang geladen hatte im Namen des Bayerischen Ministerpräsidenten Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Und sie sparte nicht mit Lob für die Arbeit der rund 11 000 bayerischen Vertragszahnärzte: „Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns ist eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Selbstverwaltungskörperschaften im Freistaat – und das seit mittlerweile 75 Jahren“, erklärte sie in einer Pressemitteilung.

Beim Staatsempfang lobte sie die Fortschritte bei der Mundgesundheit. „Über 60 Prozent der bayerischen Grundschulkinder haben inzwischen naturgesunde Zähne. Auch in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen ist ein deutlicher Rückgang fehlender, gefüllter oder kariöser Zähne festzustellen. Das ist auch das Verdienst der Zahnärztinnen und Zahnärzte. Sie zeigen, dass Prävention wirkt.“ Doch auch die Versorgung der älteren Patienten und den Sicherstellungsauftrag hat die Ministerin im Blick: „Ich bin überzeugt, dass ein verstärkter Fokus auf präventive Maßnahmen notwendig sein wird, um die Mundgesundheit der älteren Bevölkerung zu fördern und teure Behandlungen zu vermeiden. Wirksame Prävention ist für mich ein zentraler Baustein für die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems der Zukunft. Wir werden auch weiterhin gemeinsam daran arbeiten, die flächendeckende, wohnortnahe und qualitativ hochwertige zahnmedizinische Versorgung in Bayern voranzubringen und für zukünftige Herausforderungen fit zu machen!“
Konzentrationsprozess stoppen
Besorgt äußerte sich die Ministerin über die zunehmende Kommerzialisierung der Zahnmedizin durch investorengetragene Medizinische Versorgungszentren (iMVZ): „Ich sehe die flächendeckende Versorgung in Gefahr, wenn Konzentrationsprozesse voranschreiten und damit zu Abhängigkeiten von nur einem oder wenigen Leistungsanbietern führen. Bayern hat sich deshalb im Bundesrat für eine stärkere Regulierung von Medizinischen Versorgungszentren – und damit auch von investorengetragenen Medizinischen Versorgungszentren – eingesetzt und konkrete Vorschläge unterbreitet.“

Mit Blick auf die Digitalisierung betonte Gerlach: „Die digitale Vernetzung und die Arbeit mit strukturierten digital vorliegenden Daten ist unumgänglich, um auch im Gesundheitsbereich im 21. Jahrhundert anzukommen. Digitales Röntgen oder die elektronische Patientenakte gehören heute zur modernen Zahnmedizin. Aber klar ist auch: Die Einbindung der Technik in den Arbeitsalltag der Arztpraxen muss reibungslos funktionieren und die Technik sicher sein, damit Digitalisierung als hilfreich empfunden wird.“
Versorgung ist gefährdet
75 Jahre in 15 Minuten – an dieser Herausforderung versuchte sich der KZVB-Vorsitzende Dr. Rüdiger Schott – mit Erfolg. Er spannte einen Bogen vom mittelalterlichen Bader, der auf dem Marktplatz Zähne extrahierte, bis in die Gegenwart. Seine deutliche Warnung: Die flächendeckende Versorgung ist in Gefahr. In den kommenden fünf Jahren erreiche ein Viertel der niedergelassenen Zahnärzte das Rentenalter. Niederlassungswilliger Nachwuchs sei derzeit kaum in Sicht. Dies liege auch an den politischen Rahmenbedingungen. Schott forderte die Abschaffung der Budgetierung, einen echten Bürokratieabbau und ein MVZ-Regulierungsgesetz. Schott verwies auch darauf, dass die Zahnmedizin schon immer ein Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung gewesen sei. Bereits im Kaiserreich seien Frauen für das Studium zugelassen worden. In den 1920er-Jahren lag der Frauenanteil an den Fakultäten schon bei 20 Prozent. Immer wieder habe sich die Frage nach einer angemessenen Vergütung der Leistungen gestellt. Anfangs hätten die Krankenkassen ein Vertragsmonopol gehabt und dieses nach Kräften ausgenutzt. Die Zahnärzte hätten mehrfach dagegen protestiert. 1932 seien dann die Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen gegründet worden. Ein dunkles Kapitel sei auch für die Zahnärzteschaft der Nationalsozialismus. „Die Begeisterung, die auch in Teilen der Ärzte- und Zahnärzteschaft für die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus herrschte, ist auch heute noch beschämend.

Umso wichtiger ist es, dass wir alles dafür tun, dass Hass und Hetze nie wieder zur Grundlage politischen Handelns werden“, so Schott.
In der Nachkriegszeit hätten Pioniere wie Dr. Fritz Linner beim Wiederaufbau der Selbstverwaltung geholfen. Einen Überblick über die weitere Geschichte der KZVB liefert die Chronik.
Schott beendete seinen Rückblick mit einem flammenden Appell: „Der Bader auf dem Marktplatz ist gar nicht so weit weg wie Sie denken. Dafür müssen sie auch nicht nach Afrika oder Indien reisen. In Großbritannien haben schon heute Millionen von Patienten keinen Zugang mehr zu einer hochwertigen zahnmedizinischen Versorgung. Sie behelfen sich selbst und ziehen sich schmerzende Zähne buchstäblich mit der Beißzange. In Teilen der USA gibt es Massenextraktionen in Turnhallen und Baseballstadien für Bedürftige. Lassen wir es bei uns nicht so weit kommen! Stellen wir heute die Weichen dafür, dass unsere Nachfolger auch beim 100. Jubiläum der KZVB sagen können: Der Sicherstellungsauftrag wird erfüllt, und unsere Patientenin Bayern werden flächendeckend versorgt.“
Einen humorvollen Blick auf den Alltag der Vertragszahnärzte warf der Kabarettist Wolfgang Krebs, der dafür in die Rollen von Edmund Stoiber, Markus Söder, Hubert Aiwanger und Horst Seehofer schlüpfte. Vom Amalgamverbot über die Fortbildungspflicht bis hin zur Digitalisierung sparte er kein „heißes Eisen“ aus.
Bei einem Get-together im Hof der Nürnberger Kaiserburg konnten sich die rund 160 Ehrengäste über so manche Anekdote aus der bewegten Geschichte der KZVB austauschen.
Leo Hofmeier
Seit 75 Jahren an der Seite der Zahnärzte – Wie sich die Berufsausübung seit 1950 verändert hat
1950 nahm der erste Vorstand der KZVB seine Arbeit auf. Die Herausforderungen waren damals wie heute die gleichen: die Versorgung sichern, ausreichend finanzielle Mittel bereitstellen und die Zahnärzte bestmöglich bei der Abrechnung unterstützen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle, wie diese Kurzchronik der KZVB zeigt.