Ein Beitrag von Dr. Isabelle Stauff, Kevin Ramin Mehrnia, Sophia Jülich und Priv.-Doz. Dr. Michael J. Wicht
Aufgrund möglicher klinischer Begleiterscheinungen und der Auswirkungen auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität betroffener Patienten gewinnt der Umgang mit MIH-assoziierten Opazitäten zunehmend an Bedeutung. Ziel dieses Beitrags ist es daher, verschiedene Behandlungsoptionen der assoziierten Opazitäten, von non- bis hochinvasiv, darzustellen und einen praxisorientierten Handlungspfad für die zahnärztliche Versorgung darzulegen.
Eine der häufigsten Entitäten, die mit demarkierten Opazitäten im Frontzahnbereich assoziiert werden, ist die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), eine hochprävalente Störung der regulären Zahnschmelzbildung,1, 2 die sich klinisch sowohl qualitativ (Hypomineralisationen) als auch quantitativ (Hypoplasien) manifestieren kann. Bevorzugt manifestiert sich die Erkrankung an den ersten bleibenden Molaren und Inzisiven, klinisch imponieren begrenzte weißlich bis gelb-braune Opazitäten des Zahnschmelzes.3
In Abhängigkeit vom Schweregrad können bei betroffenen Patienten unterschiedliche Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Hypersensibilitäten, eine erhöhte Kariesanfälligkeit sowie ein schneller Verlust von Zahnhartsubstanz und ein erhöhtes Gingivitisrisiko auftreten.4
Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von MIH und einer verminderten mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität, so weisen Kinder mit Opazitäten ein 17- bis 25-fach höheres Risiko für eine Beeinträchtigung der Lebensqualität auf als Kinder ohne.5
Viele betroffene Patienten berichten über Unsicherheiten beim Lachen sowie über eine subjektiv verminderte Attraktivität ihrer Zähne.6 Trotz zunehmender Relevanz besteht im zahnärztlichen Alltag eine latente Unsicherheit im Umgang mit dem Krankheitsbild, so würden 36,5 Prozent der Zahnärzt/-innen betroffene Fälle an spezialisierte Praxen überweisen.7