Enorme Risiken und Nebenwirkungen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Bundesregierung hat ihr GKV-Sparpaket im Rekordtempo durchgedrückt. Den ärztlichen und zahnärztlichen Körperschaften blieb nur wenig Zeit, um auf die Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen. Und die gibt es zuhauf!

Das dreijährige Moratorium für Punktwert- und Budgeterhöhungen wird die Gründung oder Übernahme einer Praxis für den Nachwuchs noch unattraktiver machen. Die Zahl der Angestellten wird weiterwachsen. In der Folge werden viele Alterspraxen mangels Nachfolger schließen, die Versorgungslandschaft dünnt sich weiter aus. In vielen Regionen Bayerns werden weite Wege und lange Wartezeiten für einen Zahnarzttermin bald traurige Realität sein. Noch härter trifft es aber kieferorthopädische Zahnärzte, die keine Fachzahnarztweiterbildung haben. Das Abrechnungsverbot für diese Berufsgruppe ist staatliche Willkür. Es zerstört Vertrauen in die Politik, gefährdet Existenzen und es verschlechtert die kieferorthopädische Versorgung im ländlichen Raum ungemein. Aber: Es ist – Stand 23. April 2026 – Gesetz!

Wir werden alles tun, um Nachbesserungen oder Ausnahmen für unterversorgte Regionen zu erreichen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering. Die Betroffenen sollten die Übergangszeit nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen. Gerade im ländlichen Raum ist der Behandlungsbedarf auch in anderen Leistungsbereichen hoch und er wird durch die bereits erwähnten Praxisschließungen weiterwachsen. Die dritte „Grausamkeit“ in Warkens Gesetz ist die Absenkung der Festzuschüsse für Zahnersatz. Die können und müssen wir Zahnärzte zwar durch höhere Eigenanteile der Patienten ausgleichen. Einige unserer Patienten könnte das aber finanziell überfordern. Die schwarz-rote Koalition wird sich also auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, zu Lasten der Schwachen zu sparen. Jedem dürfte klar sein, wer der politische Gewinner solcher Einsparungen sein wird – vor allem auch deshalb, weil die GKV-Ausgaben für Bürgergeldempfänger weiterhin von den Beitragszahlern mitfinanziert werden. Die schwarz-rote Koalition sollte schleunigst darüber nachdenken, wie sie diese Ungerechtigkeit beseitigen kann.

Ihr Dr. Rüdiger Schott
Vorsitzender des Vorstands der KZVB