Für den Präsidenten und die Vizepräsidentin ist das Selbstverständnis der Kammer nicht das einer Behörde, sondern vielmehr das einer modernen Serviceorganisation.
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„Die Kammer als moderne Serviceorganisation – ein Muss!“

Bilanz der BLZK-Amtsperiode 2022 bis 2026

Bei der Bayerischen Landeszahnärztekammer neigt sich die laufende Wahlperiode ihrem Ende zu. Im Redaktionsgespräch ziehen Dr. Dr. Frank Wohl und Vizepräsidentin Dr. Barbara Mattner Bilanz.

BZB: Werfen wir einen Blick zurück, als Sie im Dezember 2022 den Staffelstab der BLZK übernommen aben: Hatten Sie bei Ihrem Start eine realistische Vorstellung von den neuen Aufgaben oder gab es Überraschungen?

Wohl: Die großen Herausforderungen lagen damals wie heute in den gesundheitspolitischen Bedingungen für unsere freiberufliche Tätigkeit: der Dauerkampf gegen Bürokratie, Fachkräftemangel und Honorarverluste. Und als ob das nicht genug wäre, brachte der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zeitgleich mit unserem Amtsantritt die Wiedereinführung der strikten Budgetierung auf den Weg. Unter dem Motto „Schluss mit Lücken, Herr Lauterbach! Zahnmedizin braucht Zukunft!“ haben wir dagegen eine große Kundgebung auf dem Münchner Marienplatz auf die Beine gestellt, an der sich bayerische Spitzenpolitiker und der Verband Medizinischer Fachberufe beteiligt haben.

BZB: Ein ungewöhnlicher Schritt für eine Kammer.

Wohl: In der Tat. Normalerweise werden öffentliche Proteste an die Berufsverbände delegiert, und die Körperschaften halten sich vornehm zurück, schon um das jeweilige Aufsichtsministerium nicht zu verärgern. Mit Blick auf das drohende Praxissterben war dieser ungewöhnliche Schritt aber notwendig!

BZB: Gab es gesundheitspolitische Entwicklungen, von denen Sie kalt erwischt wurden?

Mattner: Vor vier Jahren hätten wir uns sicher nicht träumen lassen, dass der Bundesgesetzgeber auf die Idee kommen würde, einen Fachzahnarztvorbehalt in der Kieferorthopädie einzuführen.

BZB: So steht es nun aber im Gesetzentwurf. Wo liegt das Problem und washaben Sie dagegen unternommen?

Wohl: Wir haben systematisch Gesundheitspolitiker über die fatalen Folgen informiert – in Briefen und unzähligen Gesprächen. Die Zahlen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sprechen eine klare Sprache: Sollte das Gesetz in Kraft treten, wären demnach acht Landkreise in Bayern kieferorthopädisch unterversorgt, acht weitere von Unterversorgung bedroht. Wer das schönredet, nimmt billigend in Kauf, dass Zahnfehlstellungen unbehandelt bleiben, wenn Kinder nicht alle paar Wochen zum Nachjustieren ihrer Zahnspange in die großen Ballungsräume kommen. Den durchschnittlichen bayernweiten Versorgungsgrad argumentativ ins Feld zu führen, ist absurd. Wer mit einer Hand auf eine heiße Herdplatte fasst und mit der anderen in Eiswasser, kann keine angenehme Durchschnittstemperatur erwarten. Patienten brauchen Zahnärzte. Und Zahnärzte brauchen keine Regelungen, die für viele wie ein Berufsverbot wirken, sondern Planungssicherheit. Deshalb appelliere ich, dass unser Berufsstand hier zusammensteht.

BZB: Was hat die Kammer denn in den letzten vier Jahren getan, um Ihren jungen Kolleginnen und Kollegen trotz solcher Unsicherheiten den Schritt in die eigene Praxis zu erleichtern?

Mattner: Das ZEP Zentrum für Existenzgründer und Praxisberatung der BLZK unterstützt bei Fragen zur Praxisgründung oder zur Übernahme einer bestehenden Praxis. In unseren Niederlassungs- und parallel stattfindenden Praxisabgabeseminaren sowie mit unserer Praxisbörse bringen wir Abgeber und Gründer zusammen. Aber auch für Angestellte machen wir Angebote. Unsere Referentin Zahnärztlicher Nachwuchs, Dr. Cosima Rücker, hat den Fokus ihres Informationsangebotes auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerichtet. Zudem stellt die BLZK auch für junge Zahnärzte Hilfen zu Hygiene, Strahlenschutz, Arbeitssicherheit und Qualitätsmanagement bereit. Gerade beim QM – etwa beim Hitzeschutz – halte ich es für zielführend, dass wir statt zwangsweiser Vorschriften die Praxen bestmöglich bei der Umsetzung unterstützen.

Wohl: Ein entscheidender Hebel, um die Rahmenbedingungen für die Praxen attraktiver zu gestalten, ist natürlich die politische Kommunikation. Diese reicht von den persönlichen Kontakten, die wir in vielen Hintergrundgesprächen pflegen, über Präsenz bei Parteitagen bis hin zu Vorträgen in gesundheitspolitischen Gremien der Parteien.

BZB: Mal ehrlich: Was bringt das?

Wohl: Wir haben extrem dicke Bretter zu bohren, und manche Politiker haben die auch vorm Kopf. Aber Bohren haben wir Zahnärzte doch gelernt! Bei kräftigem Anpressdruck und hoher Drehzahl wirds ohne Wasserkühlung manchmal etwas heiß, doch dann scheint immer wieder Licht durch die Bohlen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat auf meine Nachfrage versprochen, sich mit unseren Vorschlägen zum Bürokratieabbau zu befassen. Wir haben auch den Anstoß gegeben, dass eine Verschärfung der Medizinprodukte-Betreiberverordnung im Bundesrat wieder zurückgenommen wurde. Mit Hinweis auf notwendige Krisenprävention haben wir Europaabgeordnete eindringlich vor einem Ethanolverbot gewarnt, und das ist jetzt vom Tisch. So gibt es Beispiele über Beispiele. Beim GOZ-Punktwert, der 1988 bei 11 Pfennigen festzementiert wurde, scheint das sprichwörtliche Brett undurchbohrbar. Der Gesetzgeber hat hier ein Eigeninteresse, weil er zugleich Träger der Beihilfe ist. Allerdings haben wir das Bewusstsein geschärft, dass der 3,5-fache Satz oft nicht mehr ausreicht, um qualitativ hochwertige Zahnmedizin wirtschaftlich zu erbringen. Folglich darf eine GOÄ ohne Steigerungsmöglichkeiten niemals als Blaupause für unsere GOZ dienen. Parallel haben wir die Praxen mit unserer Fortbildungsreihe GOZ ON TOUR, mit der Serie „GOZ aktuell“ im BZB und mit der GOZ-Kalkulationstabelle von Dr. Alexander Hartmann fit gemacht. Dieses Tool bildet quasi maßgeschneidert die realen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der einzelnen Praxis ab. Mittlerweile arbeitet auch die Bundeszahnärztekammer mit der Tabelle der BLZK.

BZB: Neben Bürokratie und Honoraren haben Sie eingangs den Fachkräftemangel als dritte große Herausforderung skizziert. Frau Dr. Mattner, Sie selbst waren Zahnarzthelferin, wie der Beruf damals noch hieß, bevor Sie Zahnmedizin studiert haben. Was hat die BLZK in den letzten vier Jahren getan, damit junge Menschen wieder den Weg in ein bayerisches Praxisteam finden?

Mattner: Wir erreichen junge Menschen dort, wo sie gerne sind, zum Beispiel über unseren Instagram-Kanal #missionZFA, auf Berufsbildungsmessen und mit Videos, die den ZFA-Beruf erlebbar machen. Unsere Referentinnen für Zahnärztliches Personal, Dr. Brunhilde Drew und Dr. Dorothea Schmidt, haben mit Unterstützung des Geschäftsbereiches Kommunikation auch die zielgruppenspezifische Kampagne „Der Job, der lächelt“ mit Postern und Flyern fürs Wartezimmer entwickelt. Stark nachgefragt sind auch die Quereinsteigerseminare, die von mehreren ZBVen beziehungsweise in Zusammenarbeit mit der eazf angeboten werden. Diese Intensivkurse ersetzen keine ZFA-Ausbildung, geben aber den Quereinsteigern, die wir in unseren Praxen nun mal brauchen, wertvolles Rüstzeug an die Hand. Und natürlich informieren wir auch über Fachkräfteakquise im Ausland. In mehreren Fortbildungsveranstaltungen habe ich auch über das beschleunigte Fachkräfteverfahren und Wohnmöglichkeiten für Azubis informiert.

Fachkräftegewinnung war in den letzten vier Jahren ein Schwerpunkt der BLZK. Neben Zielgruppenansprache, etwa über den Instagram-Kanal #missionZFA, hebt Dr. Barbara Mattner die neuen regionalen Quereinsteigerseminare hervor.

BZB: Beim Stichwort Fortbildungsveranstaltungen möchte ich gerne nachhaken, denn der Wissensdurst der Praxen steigt. Hat die Kammer ihre Fort- und Weiterbildungsangebote für die Zukunft aufgestellt?

Mattner: Das Angebot der eazf, der Fortbildungstochter der BLZK, hat in den letzten Jahren eine tiefgreifende qualitative Modernisierung erfahren. Sie bietet einen Mix aus praxisnahen Hands-on-Übungen in Präsenz, lebendigen Diskussionsrunden und hybriden Angeboten. Diese sind auch zeit- und ortsunabhängig abrufbar, das ist besonders wichtig, wenn man Familie und Praxis unter einen Hut bringen muss. Gleichzeitig wurde sie aus den roten in die schwarzen Zahlen geführt. Darüber hinaus bietet die BLZK viele weitere Fortbildungsveranstaltungen an. Leuchtturm ist und bleibt der Bayerische Zahnärztetag mit seinem Programm für Zahnärzte und parallel für ZFA. Auch zwei neue Fortbildungsformate sind gestartet: der „BLZK campus“ bei den infotagen FACHDENTAL und der Pflegetag der BLZK.

Wohl: Die zahnmedizinische Versorgung Pflegebedürftiger haben wir als Zukunftsthema identifiziert und mit Dr. Frank Hummel erstmals einen Pflegebeauftragten ernannt. Er ist dazu mit den Berufsfachschulen für Pflege im Gespräch und betreibt aktiv Lobbyarbeit, um die zahnmedizinische Versorgung Pflegebedürftiger zu verbessern. Zudem hat er sich tatkräftig in den Masterplan Prävention des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention eingebracht, ebenso wie Frau Dr. Mattner in ihrer Funktion als LAGZ-Vorsitzende.

Mattner: Der Zahnmedizin wird im Masterplan eine Vorbildfunktion für das Gesundheitswesen zugesprochen. Mit gutem Grund. Nach der aktuellen DMS·6-Studie sind fast 80 Prozent der Zwölfjährigen kariesfrei. Der Anteil der GKV-Ausgaben ist seit Beginn des Jahrtausends von knapp neun auf gut fünfeinhalb Prozent zurückgegangen. Das ist das Ergebnis der Prophylaxe in unseren Praxen.

BZB: Nach allem, was Sie bisher aufge führt haben, lag der Schwerpunkt Ihrer Arbeit auf einer guten zahnmedizinischen Versorgung und entsprechenden Rahmenbedingungen für die Praxen. Darüber hinaus hatten Sie doch sicherlich auch Aufgaben bezogen auf die Kammer als Körperschaft. Lief in der BLZK alles wie erwartet?

Dr. Dr. Frank Wohl: „Patienten brauchen Zahnärzte, und Zahnärzte brauchen Planungssicherheit.“

Wohl: In der Tat hatten wir eine ziemlich genaue Vorstellung von den standespolitischen Strukturen, die wir offener und effizienter gestalten wollten. Das war schnell umsetzbar, indem wir Vertreter aller berufspolitischen Gruppierungen nicht nach Verbandszugehörigkeit, sondern nach Kompetenz eingebunden haben. Gleichzeitig konnten wir die Referatsentschädigungen um ein Viertel reduzieren. Mit der aktuellen Wahlperiode der Bundeszahnärztekammer haben wir auch dort unseren Einfluss massiv gestärkt, indem wir bayerische Vertreter in fast alle Gremien entsenden konnten.

BZB: Standespolitische Strukturen sind das eine, aber mussten nicht auch die Verwaltungsprozesse weiterentwickelt werden?

Wohl: Uns war klar, dass uns die Digitalisierung zu ständiger Weiterentwicklung herausfordern würde. Allerdings gebe ich zu: Dass nicht einmal die Voraussetzungen für digitale Rundschreiben vorlagen, war mir zu Beginn unserer Amtszeit nicht bewusst. Bevor wir damit starten konnten, musste erst noch der Gesetzgeber überzeugt und das Bayerische Heilberufe-Kammergesetz angepasst werden. Mittlerweile sind nicht nur digitale Rundschreiben eine Selbstverständlichkeit bei der BLZK, wir sind auch beim Einsatz künstlicher Intelligenz up to date: In einer Vorstandsklausur haben wir uns intensiv mit KI befasst, die Mitarbeiter wurden fit gemacht und alle Prozesse der BLZK und der ZBVe werden derzeit KI-gestützt zentral in einer Plattform gebündelt. In Kürze geht auch unser neuer Onlineauftritt blzk.de live, danach folgt das Patientenportal zahn.de. Beide Websites präsentieren sich nach einem umfassenden Relaunch übersichtlicher und nutzerfreundlicher. Das Selbstverständnis der Kammer ist in meinen Augen nicht das einer Behörde, sondern vielmehr das einer modernen Serviceorganisation. Das ist für mich ein unverzichtbares Muss!

Das Interview führte Julika Sandt.


WERBUNG FÜR DEN ZFA-BERUF WIRKT
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist seit 2023 um rund 20 Prozent
gestiegen (Stichtag 30. September):

  • von 2 941 im Jahr 2023
  • über 3 239 im Jahr 2024
  • auf 3 524 im Jahr 2025.

INTENSIVKURSE FÜR QUEREINSTEIGER
Für berufsfremde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Praxen vermitteln ZBVe seit 2024 (teils in Kooperation mit der eazf) in modularen Kursen Basiswissen sowie Grundlagen in Assistenz und Verwaltung. Bisher wurden acht dieser Quereinsteigerseminare durchgeführt. Für 2026 sind noch zwei weitere Kurse terminiert (darunter ein Spezialkurs „BEMA-Basics“). Für 2027 sind derzeit vier Kurse in der Planung.