Auch Prävention hat ihren Preis

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 12. Oktober findet der zweite Bayerische Präventionstag statt. Dass dieses wichtige Thema endlich stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt, ist auch ein Erfolg der Zahnärzte. Die KZVB war Gründungsmitglied im Bündnis für Prävention, das Judith Gerlach ins Leben gerufen hat. Unsere Erfolge, die wir bei der Verbesserung der Mundgesundheit erzielen konnten, haben die Ministerin sichtlich beeindruckt. Sie sieht uns als Vorbild für andere Medizinbereiche. Nicht zuletzt auch wegen der explodierenden Gesundheitsausgaben! Rund zehn Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung entfallen mittlerweile allein auf die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Der Anteil der gesamten Zahnmedizin liegt bei bescheidenen fünf Prozent. Bei den Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben liegt Deutschland weltweit auf Platz 3 – hinter den USA und der Schweiz. Bei der Lebenserwartung stehen wir dagegen auf Platz 45! In Ländern wie Griechenland, Slowenien, Portugal oder Chile, die deutlich weniger für die medizinische Versorgung ausgeben, leben die Menschen länger.

Unser Gesundheitswesen wird nur finanzierbar bleiben, wenn es uns gelingt, Zivilisationskrankheiten einzudämmen. Dafür braucht es einerseits Verhaltensänderungen. Ich bedauere es deshalb sehr, dass wir aufgrund handwerklicher Fehler des Bundesfinanzministers noch keine Zuckersteuer haben. Aber es braucht auch neue Finanzierungsmodelle. Die sprechende Medizin wird in Deutschland noch immer schlechter vergütet als invasive Behandlungen.

Aufgrund falscher politischer Entscheidungen in Berlin sind auch die Präventionserfolge der Zahnärzte akut gefährdet. Die verschärfte Budgetierung wird das Praxissterben im ländlichen Raum beschleunigen. Und da, wo kein Zahnarzt mehr ist, wird auch die regelmäßige Vorsorge schnell vernachlässigt. Gerade ältere und immobile Patienten werden die weiteren Wege zu spüren bekommen. Der Bayerische Präventionstag ist ein wichtiges Signal, aber das reicht nicht. Wenn die Politik mehr Prävention will, muss sie dafür Geld in die Hand nehmen. Kurzfristige Einsparungen, wie sie Warkens Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorsieht, machen die Versorgung langfristig nur noch teurer.

Ihre

Dr. Marion Teichmann

Stv. Vorsitzende des Vorstands der KZVB