„Alles muss raus!“

Abwechslungsreiches Sommerprogramm im Medizinhistorischen Museum Ingolstadt

Die „Alte Anatomie“ in Ingolstadt ist seit gut 50 Jahren Heimat des Deutschen Medizinhistorischen Museums – eine der größten medizinhistorischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Noch bis Dezember ist dort die Ein-Vitrinen-Ausstellung „Alles muss raus“ zu sehen. Auch für die Sommermonate haben sich Dr. Marion Ruisinger und ihr Team einiges einfallen lassen.

Was es mit Milchzähnen, Darminhalt und Blähungen auf sich hat, konnte man bereits im Frühjahr erfahren. Von Juni bis August geht es nun um Exkremente und andere körperliche Hinterlassenschaften. Statt der üblichen großen Jahresausstellung erwarten die Besucher nämlich jeden Monat witzige und überraschende Exponate zum jeweiligen Thema in einer eigenen Vitrine.

Schon seit 2010 lädt das Museum jeden Dienstag zu seiner „Mittagsvisite“ ein, für die sich ausgewiesene Experten ein spezielles Thema aus dem riesigen Medizin- und Gesundheitswissen herauspicken und interessierten Besuchern vor Ort erläutern. In den Sommermonaten stehen der Arzneipflanzengarten auf dem Programm (21. Juli und 11. August), die Tischzentrifuge (18. August) oder in Anlehnung an eine frühere Sonderausstellung der Super8-Streifen „House of Frankenstein“ (25. August). Der Romanfigur Victor Frankenstein und seinen Experimenten ist bis heute eine eigene Abteilung im Museum gewidmet.

Weniger schaurig geht es im Arzneipflanzengarten mit seinem neu angelegten, nun auch für Blinde erlebbaren Duft- und Tastgarten zu. Den ganzen Sommer lang finden Führungen durch diese „Apotheke der Natur“ statt.

Die aktuellen „Alles muss raus“-Objekte werden jeweils am ersten Dienstag eines Monats in der halbstündigen „Mittagsvisite“ des Museums vorgestellt. Als Livestream sind sie auch auf Instagram verfolgbar unter @ingolstadt_live_official.

Ein ganz besonderer Termin ist der 23. Juli, an dem der vor zehn Jahren neu eröffnete Museumstrakt gefeiert wird. Zum Jubiläum gibt es einen Festakt, Vorträge und Livemusik – Gäste sind willkommen, der Eintritt ist frei.

Bei seiner Gründung 1971 hatte das Deutsche Medizinhistorische Museum keine eigene Sammlung. Heute jedoch besitzt das Museum einen der größten medizinhistorischen Bestände in Deutschland. Mehr als 80 Sonderausstellungen zu Themen zwischen Medizin, Kultur und Gesellschaft wurden hier gezeigt. Möglich machten dies neben den Sammlungsaktivitäten des Gründungs-Teams um Prof. Heinz Goerke, ehemaliger Direktor des Institutes für Geschichte der Medizin an der LMU München, auch Objektspenden und die Unterstützung der Freunde und Förderer des Museums. Lediglich ein Bruchteil des Bestandes ist in der Dauerausstellung zu sehen, der Großteil ruht in den Depots.

Röntgenkugel und die Heilige Apollonia

Dass die „Alte Anatomie“ überhaupt mit einer derart qualitätvollen Dauerausstellung neu bespielt werden konnte, ist nicht zuletzt einem Ingolstädter Zahnarzt zu verdanken. Durch eine Anschubfinanzierung von Dr. Martin Reißig konnte die Basis für die Neugestaltung gelegt werden, später weiter aufgestockt mit Mitteln der Stadt Ingolstadt. Er ist besonders stolz darauf, dass das Museum auch über wertvolle zahnmedizinische Exponate wie die Siemens-Röntgenkugel oder eine Wachsfigur der Heiligen Apollonia verfügt.

Weitere Informationen zum Museum, Ausstellungen und weiteren Programmpunkten finden Sie auf dmm-ingolstadt.de.

Redaktion