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Was sich aus WP-Statistiken ablesen lässt – Teil 2: Die Häufigkeitsstatistik

Die Häufigkeitsstatistik ergänzt die Gesamtübersicht und ermöglicht einen deutlich tieferen Einblick in das Abrechnungsgeschehen Ihrer Praxis. Während die Gesamtübersicht vor allem zeigt, dass Abweichungen zum Landesdurchschnitt bestehen, beantwortet die Häufigkeitsstatistik die entscheidende Frage: Welche konkreten Leistungen verursachen diese Abweichungen?

Die Häufigkeitsstatistik ist eines der wichtigsten Instrumente zur Vorbereitung auf mögliche Wirtschaftlichkeitsprüfungen und zur Analyse der eigenen Abrechnung.

Bedeutung für die Wirtschaftlichkeitsprüfung

Wirtschaftlichkeitsprüfungen beschränken sich nicht nur auf den Gesamtfallwert. Prüfanträge können sich auch auf einzelne BEMA-Leistungen beziehen.

Zudem entstehen Auffälligkeiten beim Gesamtfallwert dadurch, dass einzelne BEMA-Leistungen wesentlich häufiger abgerechnet werden als im Durchschnitt der vergleichbaren bayerischen Vertragszahnarztpraxen.

Die Häufigkeitsstatistik zeigt genau diese Unterschiede auf. Sie ermöglicht:

  • auffällige Leistungspositionen frühzeitig zu erkennen
  • eigene Behandlungsschwerpunkte zu identifizieren
  • Praxisbesonderheiten zu dokumentieren
  • kompensatorische Einsparungen zu erkennen
  • Begründungen für Prüfverfahren vorzubereiten

Die Statistik richtig lesen

Die Häufigkeitsstatistik wird getrennt nach den einzelnen Leistungsbereichen (KCH, KFO, Kieferbruch, PAR) dargestellt.

Diese Werte helfen dabei, die Auswirkungen einzelner Leistungspositionen auf den Gesamtfallwert zu verstehen.

Wichtige Kennzahlen von links nach rechts am Beispiel KCH:

  • Leistung/BEMA-Nr.: Die jeweilige Gebührenposition
  • Anzahl absolut: Wie oft die Leistung in der eigenen Praxis insgesamt abgerechnet wurde
  • Betroffene Fälle: In wie vielen Behandlungsfällen die Leistung in der eigenen Praxis angesetzt wurde
  • Häufigkeit auf 100 Fälle/Praxis: Wie oft die Leistung bezogen auf 100 Behandlungsfälle in der eigenen Praxis vorkommt
  • Häufigkeit auf 100 Fälle/Land: Vergleichswert der jeweiligen Vergleichsgruppe
  • Häufigkeit auf 100 Fälle/Abweichung %: Prozentuale Abweichung zum Landesdurchschnitt
  • Ansatz in Praxen: Durchschnittliche Häufigkeit in den Praxen, die die Leistung tatsächlich abrechnen (Anwender)
  • Abweichung %: Abweichung gegenüber dem Durchschnitt der Anwender

Abweichungen erkennen und bewerten

Die wichtigste Spalte der Häufigkeitsstatistik ist die fettgedruckte Spalte „Abweichung %“. Sie zeigt, um wie viel häufiger oder seltener eine Leistung im Vergleich zum Landesdurchschnitt erbracht wird.

Positive Abweichungen

Hohe positive Abweichungen bedeuten, dass eine Leistung deutlich häufiger erbracht wird als im Durchschnitt. So bedeutet beispielsweise eine Abweichung von 100 Prozent, dass die Praxis die Leistung doppelt so oft auf 100 Fälle abrechnet wie der Landesdurchschnitt.

Die Grenze zum sogenannten offensichtlichen Missverhältnis liegt bei der Abrechnung von einzelnen BEMA-Leistungen bei 100 Prozent. Liegt die Abweichung über 100 Prozent, kippt die Beweislast: Die betroffene Praxis unterliegt ab dieser Abweichung sodann dem Anschein der Unwirtschaftlichkeit und muss die Wirtschaftlichkeit ihrer Abrechnung beweisen.

Deshalb sollten hohe Abweichungen regelmäßig überprüft und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Weitere Kennzahlen von oben nach unten:

  • Festzuschüsse 1.1 und 1.2: Anzahl absolut/Anzahl an betroffenen Fällen/Anzahl je 100 Fälle Praxis und Land samt Abweichung
  • Gesamtpunkte: aller betroffenen Fälle KCH/durchschnittliche Punktehöhe je Fall in Praxis und Land samt Abweichung
  • Sonstige EUR: Auslagenersatz z.B. Parapulpärer Stift, Portokosten.
  • Vergütung EUR: Höhe der Vergütung aller Fälle in Euro/Höhe der durchschnittlichen Vergütung auf 100 Fälle KCH in Praxis im Vergleich zum Landesdurchschnitt samt Abweichung
  • IP-Punkte: Anzahl aller IP-Punkte aller Fälle KCH/Anzahl auf 100 Fälle Praxis im Vergleich zum Landesdurchschnitt samt Abweichung
  • IP-Vergütung: Höhe der Vergütung aller IP-Punkte/Höhe der durchschnittlichen IP-Vergütung auf 100 Fälle in Praxis und Land samt Abweichung
  • IP5-Leistungen/IP5-Fall: durchschnittliche Anzahl an IP5-Leistungen je IP5-Fall in Praxis und Land

Negative Abweichungen

Negative Werte bedeuten, dass Leistungen seltener erbracht werden als im Durchschnitt. Auch diese Informationen können wichtig sein, da sie häufig Hinweise auf einen besonderen Praxisschwerpunkt und kompensatorische Einsparungen geben.

Die Statistik als Steuerungsinstrument nutzen

Die Häufigkeitsstatistik eignet sich hervorragend zur laufenden Eigenkontrolle. Empfehlenswert ist insbesondere:

  • Quartalsweise Analyse aller auffälligen Positionen
  • Beobachtung wiederkehrender Abweichungen
  • Vergleich mit Vorquartalen
  • Dokumentation von Praxisbesonderheiten
  • Frühzeitige Prüfung auffälliger Leistungsentwicklungen

Besonders hilfreich ist die Kombination aus Gesamtübersicht und Häufigkeitsstatistik, denn die Gesamtübersicht zeigt die grundsätzliche wirtschaftliche Auffälligkeit. Die Häufigkeitsstatistik zeigt deren mögliche Ursache. Erst beide Statistiken zusammen ermöglichen eine fundierte Bewertung der eigenen Abrechnung.

Fazit

Die Häufigkeitsstatistik ist das Analyseinstrument hinter der Gesamtübersicht. Sie zeigt nicht nur, ob Abweichungen bestehen, sondern vor allem, wodurch sie verursacht werden. Wer die Häufigkeitsstatistik regelmäßig auswertet, erkennt frühzeitig Auffälligkeiten, kann Praxisbesonderheiten belegen und reduziert das Risiko unangenehmer Überraschungen im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Teil 3 „Die Statistik verstehen und richtig nutzen: Die Gesamtübersicht KFO“ folgt im BZB 9.

Kristin Büttner
Rechtsanwältin Leitung Prüfungsstelle Zahnärzte Bayern